Rettete ein Piraten-Fernsehstream beim Tsunami in Japan Leben?

Aftermath of Japanese tsunami. Photo by Roger Walch.

Vor einem Jahr, am 11. März 2011, erlebte Japan das verheerendste Erdbeben seit über tausend Jahren. Das Beben führte zu einem Tsunami, der zehntausende tötete und zu einer Kernschmelze, die eine Evakuierung mehrerer kleiner Orte erforderlich machte.

Es war die perfekte Krise um das weltweite Datennetzwerk zu teten. Der Tsunami kam nur wenige Minuten nach dem Beben und der Unterschied zwischen Leben und Tod waren für diejenigen, die vor dem Tsunami fliehen mussten, teilweise nur wenige Sekunden. Diejenigen, die von dem Tsunami gehört hatten, mussten die anderen möglichst schnell warnen… aber wie sollte man die Nachricht verbreiten? Und wie sollten die fiehenden Menschen ohne Fernsehen über die Nachbeben und Evakuierungen auf dem Laufenden bleiben?

Sankei News berichtet, dass ein Mittelstufenschüler aus Hiroshima nur 17 Minuten nach den ersten Erschütterungen des Erdbebens einen UStream (Link in Englisch) Kanal aufmachte, um über einen illegalen Piratenkanal die NHK News zu übertragen. Diese Piratenkanäle sind in Japan ein ernsthaftes Delikt. Der Junge hingegen, dessen Mutter das Hanshin-Erdbeben im Jahr 1995 überlebt hatte, fühlte sich moralisch verpflichtet, alles zu tun was er konnte, um die Menschen aus Tohoku vor dem Tsunami zu warnen. Kurze Zeit später haben tausende von Twitter-Nutzern auf den Stream verlinkt.

Statt ihn abzuschalten, hat um 17.20 Uhr der offizielle NHK Twitter-Account auf den Piratenstream verlinkt. Der Mitarbeiter, der für den Twitter-Account zuständig war, erzählte Sankei, dass er “davon ausgehen musste, für die Verlinkung seinen Job zu verlieren aber dass es, wenn er auch nur ein Leben damit retten würde, die richtige Handlung sei”. Tatsächlich wurde niemand entlassen. NHK gab um 18 Uhr UStream die offizielle Erlaubnis, den Stream fortzusetzen und begann die direkte Übertragung an UStream um 21 Uhr. Dem Besipiel von NHK folgend, entschlossen sich im Laufe der folgenden Tage insgesamt zwölf lokale und nationale Fernsehstationen ihre Notfall-Live-Nachrichtenübertragungen über UStream zu übertragen. Und all dies nur wegen eines einzigen Teenager-Piraten.

Offensichtlich können die Nachrichtenstationen diese Piraterie nicht direkt gutheißen. Da es derzeit keine Katastrophe gibt, bestehe “überhaupt kein Interesse daran” einen Internet-Stream des Nachrichtenprogramms anzubieten, meinte NHKs Entwicklungsleiter. Aber der demütige Vorsitzende von NHK, Masayuki Matsumoto, gibt zu, dass sie bei der nächsten Katastrophe “auf jeden Fall in einer angemessenen Art auf die Umstände reagieren werden”.

Quelle: Sankei News (in Japanisch). Photo von Roger Walch.

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